Differenzierte Betrachtung der Nutzung und der Wahrnehmung des Mobilfunks

Das Vorhaben wurde mit Mitteln des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) und im Auftrag des Bundesamtes für Strahlenschutz (BfS) durchgeführt.
22
Aug

Differenzierte Betrachtung der Nutzung und der Wahrnehmung des Mobilfunks

Sorgen und Beeinträchtigungen

Im Vergleich zu anderen gesundheitlichen Risikofaktoren stehen elektromagnetische Felder und Mobilfunk eher im Hintergrund. 28% der Befragten sind aufgrund von Mobilfunksendeanlagen besorgt, 23% aufgrund von Strahlung, die von elektrischen Geräten ausgeht, 20% aufgrund von Hochspannungsleitungen. 18% sind aufgrund von Handys besorgt und 13% machen sich Sorgen wegen schnurloser Festnetztelefone.

Aus diesen Besorgnisfaktoren, die im Zusammenhang mit elektromagnetischen Feldern stehen, wurde ein Strahlen-Risikoindex berechnet. Anhand des Index wird sichtbar, dass Frauen besorgter sind als Männer. Darüber hinaus ist die Besorgnis geringer, wenn viel mit dem Handy telefoniert wird, wenn ein Smartphone und WLAN verwendet wird. Eine höhere Nutzung mobiler Geräte trägt demnach zu keiner höheren Besorgtheit bei. Befindet sich jedoch ein Mobilfunksendemast in der näheren Wohnumgebung, trägt dies zu einer höheren Besorgnis bei.

Im Wellenvergleich zeigt sich eine etwas geringere Beeinträchtigung in Bezug auf elektromagnetische Felder. 7% der Befragten fühlen sich gesundheitlich durch elektromagnetische Felder beeinträchtigt. Frauen sind beeinträchtigter als Männer und die Beeinträchtigung steigt mit dem Alter.

Die Quellen für die Besorgtheit und Beeinträchtigung variieren. Personen, die sich starke Sorgen machen, beziehen diese größtenteils auf Handys und Mobilfunksendeanlagen. Die Gründe für Beeinträchtigungen streuen jedoch über die verschiedenen Quellen elektromagnetischer Felder.

52% der Beeinträchtigten können ihre Beschwerden nicht genau einordnen. 16% klagen über Kopfschmerzen/Migräne und 12% über Schlafprobleme. Darüber hinaus wird vor allem Krebs als gesundheitliche Folge elektromagnetischer Felder befürchtet.

Vorsorgemaßnahmen

6% der Befragten haben bereits Vorsorgemaßnahmen gegen elektromagnetische Felder vorgenommen. 10% haben darüber nachgedacht (15% in 2009). Bereits umgesetzte Maßnahmen sind vor allem eine Reduzierung der Gerätenutzung und die Aufbewahrung der Geräte außerhalb der Schlafzimmer. Über diese Maßnahmen wird auch größtenteils nachgedacht. 11% der Personen, die über Maßnahmen nachgedacht haben, erwägen spezielle Abschirmungsanstriche.

Derart geplante Maßnahmen stehen jedoch im Konflikt mit der Selbstverständlichkeit, mit der Handys etc. in der Gesellschaft verwendet werden. Als fester Bestandteil der modernen Kommunikation ist das Handy für 63% der Befragten nicht mehr wegzudenken. Erst bei nachgewiesener gesundheitlicher Beeinträchtigung würden 50% auf das Handy verzichten.

Segmentierung

Verschiedene Personengruppen sind für unterschiedliche Kommunikationsstrategien unterschiedlich ansprechbar. Entsprechend wurden mittels Clusteranalyse unterschiedliche Segmente gebildet, die sich hinsichtlich ihres Involvements1 zum Thema unterscheiden.

Es wurden 4 Segmente gebildet. Alle Segmente würden zu Informationszwecken am ehesten auf das Internet zugreifen. Jedoch gibt es Unterschiede zwischen den einzelnen Gruppen, die dazu genutzt werden können, für spezielle Zielgruppen die richtigen Ansprechmöglichkeiten zu finden.

Was beeinflusst die Besorgtheit?

Mittels Regressionsanalyse wurde untersucht, welche Faktoren sich auf die Besorgtheit hinsichtlich elektromagnetischer Felder am meisten auswirken. Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass der Einfluss soziodemographischer Faktoren und Faktoren der Gerätenutzung weniger stark sind. Als prominenter erweisen sich hier Faktoren der Informiertheit und des Involvements.

Kinder und Jugendliche

handystrahlung-bei-kind-2Ein Fokus der diesjährigen Erhebung liegt auf der Zielgruppe der Kinder (6 bis13 Jahre) und Jugendlichen (14 bis 17 Jahre) und der Frage, wie diese für eine Risikokommunikation angesprochen werden können.

22% der Kinder zwischen 6 und 9 Jahren besitzen ein eigenes Handy und 93% der 10 bis 13-Jährigen. Über die Hälfte der Kinder verwendet das Handy jedoch eher seltener zum Telefonieren. Anders bei den Jugendlichen: 86% der befragten Jugendlichen haben in den letzten 6 Monaten mit dem Handy telefoniert, 52% davon (fast) täglich. Kinder, deren Eltern sich als sehr gut informiert hinsichtlich elektromagnetischer Felder einschätzen, besitzen nur zu 50% ein eigenes Handy.

Kinder verwenden ihr Handy viel zum Spielen, zum SMS-Schreiben und zum Musik hö- ren. Jugendliche verwenden häufiger Funktionen, die über das Internet möglich sind, wie das Verfassen von Nachrichten über What’s App oder Surfen im Internet.

40% der Kinder haben ihr Handy (fast) immer dabei. Bei den Jugendlichen sind es 76%. Über zwei Drittel der befragten Kinder und Jugendlichen hat ihr Handy unterwegs in der Hosentasche. Nachts befindet sich das Handy bei 58% der Kinder und bei 93% der Jugendlichen im Schlafzimmer, bei etwa der Hälfte ist das Handy auch eingeschaltet.

Das Handy gehört für Kinder und Jugendliche einfach dazu. Von den befragten Kindern geben lediglich 15% an, dass keiner der Freunde ein eigenes Handy besitzt.

35% der Kinder wissen, dass ein Handy auch schädlich sein kann. Dieser Anteil steigt mit dem Alter (6 bis 9 Jahre: 11%, 10 bis 13 Jahre: 45%). Im Vergleich dazu sind 40% der befragten Eltern ziemlich/stark um ihre Kinder in Bezug auf elektromagnetische Felder besorgt.

Von den befragten Jugendlichen kennen 18% den SAR-Wert und 15% schätzen sich als gut informiert hinsichtlich elektromagnetischer Felder ein. Eine große Rolle spielt der SAR-Wert jedoch nicht. Beim Handykauf ist den Jugendlichen wichtig, welche Funktionen das Handy hat, welches Betriebssystem installiert ist, wie schnell das Handy ist und wie es aussieht. So finden sich Risikofaktoren aus dem Bereich elektromagnetische Felder auch im hinteren Bereich der Rangreihe verschiedener gesundheitlicher Risikofaktoren.

Das Internet stellt für die Jugendlichen das wichtigste Informationsmedium dar. Im Gegensatz zu den Erwachsenen würde kein Jugendlicher auf das Fernsehen zugreifen, um sich zu informieren.

Risikokommunikation

Abschließend lässt sich zusammenfassen, dass leicht abnehmende Tendenzen in der Informiertheit zu erkennen sind. Der SAR-Wert ist weniger Befragten bekannt als noch 2009 und die Befragten sind sich nicht mehr so sicher, ob sie in der Nähe einer Mobilfunksendeanlage leben. Neue Technologien und damit verbundene Funktionen scheinen interessanter und wichtiger.

Um die Bevölkerung anzusprechen, ist das Internet das Medium der Wahl. Für ältere Zielgruppen eignen sich Berichte in den TV- und Printmedien. Auch über Broschüren, die z.B. in Arztpraxen verteilt werden, können bestimmte Zielgruppen angesprochen werden.

Das Material sollte dabei einfach und ansprechend sein. Jedoch sollte für bereits gut informierte Zielgruppen auch tiefergehendes Material vorhanden sein.

Für Kinder und Jugendliche gehört das Handy zum täglichen Leben dazu. Das Wissen, z. B. über den SAR-Wert, ist gering, eine entsprechend geringe Rolle spielt er auch beim Handykauf.

Auch hier ist das Internet das Medium der Wahl, um Kinder und Jugendliche anzusprechen. Daneben kann Informationsmaterial, das über die Schulen verbreitet wird, für eine bessere Aufklärung eingesetzt werden. TV und Printmedien spielen bei Kindern und Jugendlichen keine Rolle.

Quelle: http://doris.bfs.de/jspui/bitstream/urn:nbn:de:0221-2014022811170/3/BfS_2014_FM8854.pdf